Einleitung, Teil 2
Archäologen verwenden den radioaktiven Zerfall zur
Datie-
rung, in der Medizin kommt der Kernspintomograph zum
Einsatz; die Liste ließe sich fast beliebig
fortsetzen. In Kapitel
4 werden wir uns ansehen, wie Atomuhren arbeiten,
die
uns mit präzisen Zeitsignalen versorgen.
Diese Anwendungen und hundert Jahre Erfahrung mit
Quantenphänomenen aller Art zeigen, dass wir uns auf
die
Quantentheorie verlassen können. Manche im Laufe der
Menschheitsgeschichte lieb gewonnene Vorstellung hat
in der
Quantenwelt jedoch keine Gültigkeit mehr.
So ist das Konzept einer Bahn, entlang der sich ein
Objekt
bewegt, in der Quantentheorie nicht mehr haltbar.
Dies mag
manch einen irritieren, da die Vorstellung von der
Existenz
einer Bahn eigentlich überlebenswichtig ist. Genauso
wie der
jagende Steinzeitmensch die Bahn seiner Beute
vorhersehen
musste, um erfolgreich zu sein, so müssen wir heute
in der
Lage sein, die Bahn der Autos im Straßenverkehr um
uns herum
vorherzusehen. Das setzt natürlich zunächst voraus,
dass
diese Bahn überhaupt existiert. Allerdings gibt es
keinen
Grund, warum Erfahrungen aus der Alltagswelt im
atomaren
Bereich unverändert gelten sollten.
Mit der Quantentheorie hat auch ein gewisses Maß an
Unbestimmtheit
Einzug in die Physik gehalten. Noch im 19.
Jahrhundert
hatte man gedacht, dass sich die Entwicklung eines
physikalischen Systems zumindest im Prinzip genau
vorhersagen
lässt. In der Quantentheorie ist dagegen der Ausgang
einer Messung im Allgemeinen nicht mit Sicherheit
vorhersagbar.
Dies bedeutet allerdings keineswegs, dass nun dem
Zufall Tür und Tor geöffnet wäre. Die Physik liefert
weiterhin
klare Aussagen, die sich experimentell überprüfen
lassen.
Auch wenn die Abkehr vom klassischen Denken schwer
fallen
mag, so liegt hierin doch eine Herausforderung, die
zum
Reiz der Beschäftigung mit der Quantentheorie
beiträgt. Daraus
ergeben sich auch verschiedene Fragestellungen
metaphysischer
oder philosophischer Natur. In diesem Band wollen
wir uns allerdings auf die Aspekte der
Quantentheorie konzentrieren,
die im physikalischen Experiment überprüft werden
können.
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