Sind Naturkonstanten eigentlich konstant?
Ziel physikalischer Forschung ist es, eine richtige Beschreibung
von Vorgängen in der unbelebten Natur zu entwickeln.
Lassen sich experimentelle Beobachtungen nicht erklären oder
stehen sie im Widerspruch zu theoretischen Vorhersagen, so
gibt es Handlungsbedarf. Bestehende Theorien müssen dann
korrigiert oder erweitert werden. Gelegentlich kann es sogar
notwendig sein, eine Theorie von Grund auf neu zu entwickeln.
Genau dies war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der
Fall, als sich experimentelle Befunde mehrten, die sich mit den
bekannten Theorien nicht beschreiben ließen. Es bedurfte des
Zusammenwirkens der brillantesten Physiker dieser Zeit, um
innerhalb von 25 Jahren die Quantentheorie zu schaffen, von
der in diesem Buch die Rede sein soll.
Eine physikalische Theorie soll uns jedoch nicht nur heute
eine richtige Beschreibung der Natur liefern. Sie hat ihren
Nutzen vor allem darin, dass sie auch in der Zukunft gültig
ist und es uns damit erlaubt, Vorhersagen zu machen. Es
lohnt sich aber auch, Beobachtung und Theorie in der Vergangenheit
zu vergleichen, und sei es vor zwei Milliarden Jahren
oder noch früher. Passt alles, so wird dies das Vertrauen in
die Richtigkeit der Theorie stärken. Diskrepanzen deuten dagegen
darauf hin, dass es noch etwas zu verstehen gilt.
Die Informationen aus der Vergangenheit sind natürlich begrenzt.
Aus den Überresten der natürlichen Reaktoren von
Oklo können wir aber zum Beispiel wertvolle Informationen
über den früheren Wert bestimmter Naturkonstanten gewinnen.
Dabei handelt es sich um fundamentale Größen, deren
Wert sich, zumindest bis heute, nicht aus einer Theorie berechnen
läßt. Naturkonstanten sind häufig charakteristisch
für eine bestimmte Art von Phänomenen oder auch eine physikalische
Theorie.
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